,Jenseits des Russenghettos‘: Alte und Neue Formen der Vergemeinschaftung bei postsowjetischen Migranten in der Stadt Osnabrück

Ein Forschungsprojekt von Dr. Nino Aivazishvili-Gehne (Betreuung durch apl. Prof. Dr. Jannis Panagiotidis)

Das Vorhaben fokussiert sich auf Menschen aus der ehemaligen UdSSR in der Stadt Osnabrück. Mein Anliegen ist, diese etablierte Migrantengruppe erneut in den Fokus zu setzen. Über Jahrzehnte gesammelte Erfahrungen der Menschen sind sozial relevant und hilfreich, um einen weiteren Mechanismus für den Umgang mit Migrationsprozessen in Deutschland zu schaffen.


Einen ganz besonderen Schwerpunkt stellt die Rekonstitution von Gemeinschaft nach der Emigration. Die Fokusgruppe bringt die Erfahrung einer gemeinsamen Vergangenheit, geteilter oder nicht geteilter Werte und Träume, aus einem völlig anderen politischen und sozialen System mit. Seitdem konzipiert diese Gruppe ein eigenes Leben, Ideen und Ideale in Deutschland. Wie genau geschieht das und welche Rolle spielt dabei das alte sowjetische Konzept (falls es überhaupt eine Rolle spielt)?


Die Herausforderungen und Schwierigkeiten der postsowjetischen Migranten auf individueller und kollektiver Ebene endeten keinesfalls mit der Ankunft in Deutschland. Diese äußerst diverse Gruppe in Deutschland wird bis heute sehr häufig bloß amalgamiert und lediglich auf eine formale Identität reduziert: „Russisch“. Dazu kommt, dass im populistischen Diskurs in Deutschland „ein Migrant zu sein“ häufig mit negativen Konnotationen behaftet ist.


Das geplante Vorhaben basiert auf unterschiedlichen Methoden: teilnehmende Beobachtung; biographische und themenzentrierte Interviews; das Führen von Tagebüchern;die Recherche und Analyse der Informationen aus öffentlichen Medien und politischer Maßnahmen, Archivarbeiten, Oral History etc. Die Ethnologie konzentriert sich nicht nur auf das, was die Menschen erzählen sondern ergänzend, auf das was sie tun und wie sie handeln (das ist das Markenzeichen der Ethnologie).


Aus den angeführten Gründen zielt das Projekt nicht nur auf das was die Migranten vermissen, oder glauben nicht zu haben. Das Vorhaben fokussiert sich viel mehr auf die proaktiven Handlungen und Gestaltungsprozesse dieser Menschen um ein „gutes Leben“ in Deutschland zu finden oder aufzubauen. Das gute Leben ist der Grund, weshalb diese Personen ihre Geburtsorte verließen und migrierten.

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